Zwischenbilanz

Nach 3 Monaten reisen

Wahnsinn, wir sind schon drei Monate unterwegs! Die Zeit verging bisher wie im Flug und gerade beim Schreiben der Blogeinträge fällt uns wieder auf, was wir bisher alles erlebt und welche unglaublichen Eindrücke wir gewonnen haben. Dabei ist uns die Idee gekommen, dass wir gerne ein kleines Zwischenfazit unserer Reise ziehen möchten. Was ist uns aufgefallen während unserer Reise, was haben wir über die Welt und auch vielleicht über uns gelernt? Was sind die Unterschiede zwischen Südamerika und Deutschland? Welche Gemeinsamkeiten gibt es?

Eine der großen Erkenntnisse, die wir gewonnen haben, die uns aber auch vor unserer Reise schon angekündigt wurde, ist die immense Bedeutung von Spanisch. Egal, wie gut wir Englisch sprechen, in manchen Regionen hilft es nur weiter, Spanisch zu sprechen. Selbst die Standards wie „Wo ist hier die Toilette, was kostet das, können Sie uns zu Hotel XY bringen“ etc. werden häufig auf Englisch nicht verstanden und können schon gar nicht beantwortet werden. Bei uns macht sich daher nach unserem Spanischkurs unglaubliche Erleichterung breit, da wir jetzt zumindest das Nötigste auf Spanisch, und nicht nur mit einzelnen Wortfetzen, kommunizieren können. Wir merken auch direkt, wie sich die Stimmung uns gegenüber verbessert, sobald wir versuchen, die Kommunikation auf Spanisch zu führen, das hat auch einen erstaunlichen Einfluss auf die Preisgestaltung. Was uns aber auch auffällt, das gilt vor allem für Bolivien und Peru. In Ecuador treffen wir auf viele Menschen, die erstaunlich gut Englisch sprechen und gerade auf den Galapagos-Inseln haben wir manchmal das Gefühl, Muttersprachlern zu begegnen.

Was sich durch unsere rudimentären Spanischkenntnisse auch deutlich verbessert, ist das Bestellen (vegetarischen) Essens. Wir haben das Gefühl, dass die Südamerikaner mittlerweile durchaus wissen, dass es Vegetarier gibt, die Bedeutung ist manchmal aber nicht ganz klar und eine Abgrenzung zu veganem Essen relativ schwierig. Wir merken aber auch, dass sich fast alle super viel Mühe geben, dass wir etwas Vegetarisches zu essen bekommen, auch wenn die vegetarische Lebensweise hier eher noch die Ausnahme ist. Der Fleischkonsum ist wirklich beachtlich und eigentlich sind alle traditionellen Gerichte irgendwie mit Huhn, Schwein oder Rind gemacht. Besonders „Pollo“ (Hühnchen) scheint das Nationalgericht Perus zu sein. Dank der App „Happy Cow” finden wir jedoch überall, besonders in den großen Städten, auch viele Restaurants, die super modern sind und überwiegend vegetarisches/veganes Essen anbieten. Das hätten wir so komfortabel nicht erwartet.

Mit Erschrecken ist uns jedoch der immense Müll aufgefallen, der insbesondere am Straßenrand, aber auch am Strand und auf Feldern zu finden ist. Wir stellen dabei auch immer wieder fest, wie viel Müll wir produzieren, hauptsächlich dadurch, dass das Leitungswasser in Südamerika nicht trinkbar ist. Obwohl wir dazu übergegangen sind, immer große Wasserkanister zu kaufen und uns diese in unsere Trinkflaschen umfüllen, ist unser Plastikverbrauch erschreckend, vor allem, wenn man sieht, wo das Plastik letztendlich landet. Eine gute Alternative dazu ist uns noch nicht eingefallen, da wir bei unseren Recherchen zu dem Ergebnis gekommen sind, dass portable Wasserfilter nur für kürzere Einsätze bestimmt sind. In manchen Hostels gibt es zwar die Möglichkeit, Wasser aus Tanks abzufüllen, hier würden wir uns aber deutlich mehr Angebote wünschen. Faszinierend ist auch, was alles in Plastik eingepackt wird (obwohl das in Deutschland wohl ähnlich ist). Ein Strauch Bananen, Besteck in Restaurants, die obligatorische Plastiktüte beim Einkauf im Supermarkt …

Für uns ungewohnt ist auch der Umgang mit Tier- und Naturschutz. Einerseits werden wir in Arequipa, Peru, Zeugen einer Haustiertaufe, andererseits laufen uns überall spindeldürre Straßenhunde über den Weg, die um Futter betteln. Im Norden Perus finden wir augenscheinlich von Fischern getötete Seelöwen am Strand, auf den Galapagosinseln hingegen schlafen Seelöwen auf der Straße und werden von Autos umfahren, während sie von Fischern mit Fisch versorgt werden. Auf den Galapagosinseln sehen wir zudem den – nach eigenen Angaben – ersten CO₂-neutralen Flughafen, während wir andernorts das Gefühl haben, neben den rußgeschwärzten Auspuffen von Bussen zu ersticken. In Cuenca, Ecuador, sehen wir hochmoderne, super saubere Parks mit Outdoor-Sportanlagen, die sich Köln nur erträumen kann, wohingegen wir in Bolivien immer wieder von asphaltierten Straßen geträumt haben. Wir könnten wahrscheinlich ewig so weitermachen, der Kern ist aber wahrscheinlich klar: Südamerika ist unglaublich vielseitig und auf den ersten Blick sehr widersprüchlich, nicht nur, was Tier- und Naturschutz betrifft.

Vor unserer Reise haben wir uns ein Budget überlegt, wobei wir davon ausgegangen sind, dass die Lebenshaltungskosten in Südamerika deutlich geringer sind als in Westeuropa. Unsere günstigste Übernachtung kostete ca. 8 EUR pro Person, wobei die Preise natürlich open end sind, wir uns aber nahezu immer ein Doppelzimmer mit eigenem Bad gönnen (in Peru haben wir festgestellt, dass wir wohl zu alt für Dorms sind). Super günstig sind hier auch die Mahlzeiten, insbesondere Frühstück und Mittagessen, wenn man die Tagesmenüs wählt. Es gibt Mittagsmenüs für 3-4 EUR, die eine Vorspeise (in der Regel Suppe), ein Hauptgericht, ein Getränk und einen Nachtisch beinhalten. Mit dem Bus kommt man überall günstig hin, sowohl innerhalb der Städte als auch auf weiteren Strecken durchs ganze Land. Auch Uber und Taxifahrten sind wirklich preiswert, eine 40-minütige Fahrt kostet 8 Dollar, kürzere Fahrten ca. 2 Dollar.

Unser Fazit nach 3 Monaten Reisen durch Südamerika? Wir haben auf jeden Fall noch nicht genug und freuen uns auf weitere, spannende Abenteuer, die uns erwarten. Wir haben aber auch festgestellt, dass wir uns immer wieder nach „westlichen Standards“ sehnen (funktionierende Toiletten, Duschen ohne die Befürchtung, einen Stromschlag zu bekommen, asphaltierte Straßen, Supermärkte mit Auswahl, Autos mit Sicherheitsgurten), haben aber zum Glück festgestellt, dass wir das in der Regel in den großen Städten alles auch finden können, auch wenn sich die Lebenshaltungskosten dann doch wieder an die europäischen angleichen. Aber das ist es uns dann doch zwischendurch auch immer wieder wert :).