Bolivien

Von 53m auf über 5.000m

Die erste Etappe unserer Reise führt uns von Sucre über Alcalá und Potosí in die spektakuläre Salzwüste Salar de Uyuni. Wir beenden unsere Bolivienreise im höchstgelegenen Regierungssitz der Welt, La Paz.

Sucre – 29.08. – 05.09.2022

Unsere Reise beginnt in Sucre. Nach einer ziemlich langen Anreise von Amsterdam über Frankfurt nach São Paulo, Brasilien, und dann weiter nach Santa Cruz, Bolivien, haben wir es nach ca. 40 Stunden endlich geschafft, wir sind in Sucre angekommen!

Der Flug hat uns beide ganz schön geschafft und im Nachhinein würden wir uns das nächste Mal wahrscheinlich für einen anderen Flug entscheiden. Ausschlaggebend war für uns der Kostenfaktor, da Oneway-Flüge immer relativ teuer sind. Warum auch immer war die Verbindung Amsterdam-Frankfurt-Sao Paolo deutlich günstiger als der Flug lediglich von Frankfurt nach São Paulo. Wir haben uns allerdings dazu entschlossen, zumindest den CO₂-Ausstoß zu kompensieren.

Nach ca. 40 Stunden und relativ wenig Schlaf sind wir also in Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens angekommen. Die (einzige!) Landebahn des Flughafens gleicht einer Marslandschaft. So stellen wir uns das zumindest vor.

Vom Flughafen fahren wir dann per Taxi zu unserem wunderschönen Hostel in Sucre, das Hostal CasArte Takubamba. Das Hostel ist zentral, aber wirklich ruhig. Hier können wir unsere erste Woche auf Reisen entspannt beginnen.

Die ersten Tage gehen wir sehr ruhig an, da wir zum einen den Jetlag (-6 Stunden zu Deutschland) und wohl auch ein wenig die Höhe spüren. Selbst kleine Berge bringen und ganz schön aus der Puste und der Weg zum Restaurant gleicht einem Marathon. Es wird allerdings im Laufe der Tage von alleine besser und nach ca. 4 Tagen haben wir uns vollständig akklimatisiert.

Wir nehmen an einer tollen Free-Walking-Tour teil (Danke dafür José!), bei der wir in ca. 2 1/2 Stunden die Highlights von Sucre sehen. Besonders gut gefällt uns die Aussicht von einem Viewpoint am oberen Rand der Stadt, der riesige Markt im Stadtzentrum, aber auch der mit einem kleinen Eiffelturm versehene Simon-Bolivar-Park, mit angrenzendem Dino-Spielplatz.

Ein weiteres Highlight ist der Besuch des Parque Cretácico de Cal Orck’o- eine Ausgrabungsstätte, an der 12.800 Dino-Spuren gefunden wurden. Ihr seht, wir stehen auf Dinosaurier ;). Aber Spaß beiseite, die im Rahmen von Zementabbau zufällig aufgefundenen Spuren sind wirklich beeindruckend und riesig. Der Park hat zudem ein kleines Museum, in dem man ein Dinosaurier-Skelett bewundern kann und im Eingangsbereich sind verschiedene Dinosaurier-Arten in Lebensgröße dargestellt.

Unserer Meinung nach definitiv einen Besuch wert!

Was uns auch wirklich gut in Sucre gefällt, sind die vielen, auch vegetarischen, Restaurants. Laura war vor der Abreise relativ skeptisch, wie gut man als Vegetarier in Südamerika durchkommt, für Sucre ist die Antwort auf jeden Fall: sehr gut! Das Frühstück in unserem Hostel ist grundsätzlich vegetarisch (Brötchen, Aufstrich, Ei und frische Früchte) und dank unseres Guides von der Free-Walking-Tour und Empfehlungen von Freunden (Danke an Sarah und Julian!) haben wir echt ein paar tolle vegetarische Restaurants ausprobiert. Was uns besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Restaurant Bienmesabe, in dem es einige vegetarische und vegan Arepas zu probieren gibt. Das Restaurant El German ist komplett vegetarisch und wir haben ein wirklich leckeres und vielfältiges Mittagsmenü für 25 Bolivianos (ca. 3,50 EUR) gegessen.

Am Samstag, dem 03.09.2022, sind dann unsere fünf Freunde, Carsten, Emma, Nico, Nils und Ruth zu uns gestoßen. Wir verbringen zunächst zwei Tage gemeinsam in Sucre, da wir das meiste aber schon kennen, gehen wir es eher gemütlich an, während die anderen die Stadt erkunden.

Nach knapp einer Woche haben wir dann auch das Gefühl, das Meiste in Sucre gesehen zu haben und freuen uns auf die nächste Etappe – es geht nach Alcalá!

Alcalá – 05.09.-08.09.2022

Wohin fahren wir? Alcalá ist absolut kein typischer Touristenort und wir wären wahrscheinlich nie auf die Idee gekommen, dorthin zu fahren, oder hätten überhaupt jemals von der Existenz dieses kleinen bolivianischen Ortes erfahren, wenn nicht Nico vor ca. 12 Jahren dort ein Freiwilliges-Soziales-Jahr gemacht hätte. Wir verbringen knapp vier Tage in diesem Ort mit ca. 1.500 Einwohnern. Zeitgleich mit uns starten zwei deutsche Freiwillige ihr FSJ in Alcalá, sie werden dort in der Schule für ein Jahr Englisch unterrichten.

Unter anderem besuchen wir Carlos, einen Freund von Nico, der ca. 30 Minuten vom Ort entfernt von der eigenen Landwirtschaft lebt. Er und sein Bruder sind taub/stumm, wobei sein Bruder auch immer weniger sehen kann. Sie freuen sich beide sichtlich über unseren, insbesondere Nicos, Besuch. Teil von Nicos Aufgaben in Alcalá war es, Carlos ein wenig Lesen und Schreiben beizubringen. Dank Nicos Arbeit können wir uns ein wenig mit Carlos verständigen und bekommen eine Idee davon, wie sein Leben so aussieht.

An einem anderen Abend findet das Willkommens-Fest für die beiden neuen FSJler statt. Ein paar wichtige örtliche Personen, wie der Vertreter des Bürgermeisters und eine Bildungsbeauftragte, heißen die beiden willkommen und wir essen gemeinsam. Leider findet der Großteil des Abends auf Spanisch statt – da ist bei uns definitiv noch Luft nach oben ;). Als Nico seine alte Gitarre zückt, können wir aber doch mit ein paar klassischen Kölner Liedern punkten.

Potosì 08.09.-09.09.2022

Von Alcalá fahren wir über Sucre mit dem Bus nach Potosí. Die Busfahrt ist für uns alle die wohl bislang schlimmste Busfahrt, die wir je erlebt haben. Eigentlich ist die Route von Sucre nach Potosí super ausgebaut, doch aufgrund einer nicht passierbaren Brücke müssen wir einen Umweg nehmen. Die Straße führt serpentinenartig bergauf und -ab, wobei es an den Seiten mehrere hundert Meter in den Abgrund geht. Eine Straßenbegrenzung? Fehlanzeige. Uns kommen zahlreiche Busse und LKWs entgegen, obwohl die Straße eigentlich nur breit genug ist, um einseitig befahren zu werden. Mehrmals fährt unser Bus rückwärts, um andere Fahrzeuge passieren zu lassen und als wir selbst von Einheimischen „dios mio” („oh mein Gott”) hören, wissen wir, dass diese Route so wohl nicht mehr vorgesehen ist. Gott sei Dank kommen wir irgendwann abends nach ca. 6 Stunden Fahrzeit, geplant waren eigentlich 3, in Potosí an.

Am nächsten Morgen besichtigen wir mit einer geführten Tour die Minen Potosís, die auf einer Höhe von ca. 4.000m liegen. Uns fällt es aufgrund der Höhe bereits schwer, im normalen Tempo zu gehen, weshalb wir uns nicht wirklich vorstellen können, wie es ist, in dieser Höhe einer körperlich anstrengenden Arbeit nachzugehen.

Zunächst kaufen wir auf dem Markt Mitbringsel für die Minenarbeiter, ein paar Getränke, Kekse, 96%igen Alkohol und natürlich Koka-Blätter. Dann bekommen wir zunächst einen Einblick in die Tätigkeit außerhalb der Minen, wo die gefundenen Rohstoffe sortiert und verladen werden. Und dann geht’s los – hinein in eine auf 4.000m gelegene Mine in einem Entwicklungsland. Uns ist schon etwas mulmig zumute, als wir die „man-eating mines” betreten, obwohl wir nur die einfache statt der Abenteuertour gebucht haben. Die langen Gänge führen uns tiefer in die Mine, doch zum Glück sind sie relativ gut ausgebaut, sodass wir fast immer stehen können und genügend Luft bekommen. Sobald uns Minenarbeiter in teilweise beeindruckender Geschwindigkeit mit ihren Wagen voller Rohstoffe entgegenkommen, müssen wir jedoch schnellstmöglich in eine Ecke ausweichen. Wir besuchen einen Minenarbeiter, der in einem deutlich engeren Gang arbeitet. Neben ihm führt ein Loch ca. 200 Meter in den Abgrund. Auch hier wird nach Silber und anderen Rohstoffen gegraben. Die Arbeitsbedingungen sind unglaublich schlecht, beinahe täglich kommt es zu Unfällen, davon monatlich zu tödlichen. Selbst wenn die Minenarbeiter in keinen Unfall verwickelt werden, sie werden aufgrund der Langzeitfolgen der harten Arbeit in der Regel nicht älter als 40 Jahre. Um für Schutz bei der Arbeit zu bitten, gehen die Bergleute in eine Art Kapelle in der Mine, hier findet sich eine Abbildung des Theo, des Teufels. Diesem „opfern“ die Bergleute Kokablätter und hochprozentigen Alkohol, um ihn milde zu stimmen.

Die Tour ist unglaublich spannend, lässt uns aber auch sehr nachdenklich zurück. Wir hoffen, dass sich durch den wachsenden Tourismus die Arbeitsbedingungen bessern. Zumindest wird uns versichert, dass sich die Minenarbeiter über Touristen freuen, da die Touris Geschenke mitbringen und ein alternatives Einkommen generiert werden kann.

Salar de Uyuni – 09.09.- 12.09.2022

Von Potosí aus geht’s weiter nach Uyuni, der Stadt am Rande der Salar de Uyuni – der größten Salzwüste der Welt. Wir haben eine drei Tages-Tour gebucht und werden morgens an unserem Hotel von unserem Guide Diego abgeholt. Den ersten Tag der Tour verbringen wir komplett in der auf ca. 3.600m gelegenen Salzwüste. Es ist ein absolut erstaunlicher Anblick, um einen herum nichts als Salz und der Horizont. Nachdem wir in der Wüste gepicknickt haben, geht es nachmittags auf eine der vielen Inseln der Salzwüste. Diese ist komplett mit riesigen Kakteen bewachsen. Der Anblick lässt sich kaum beschreiben, vielleicht kannst Du aber anhand der Bilder einen groben Eindruck gewinnen. Den Abend lassen wir damit ausklingen, den Sonnenuntergang in der Salzwüste zu beobachten. Die Nacht verbringen wir in einem Hotel, das komplett aus Salz gebaut ist. Die Wände sind aus Salz, die Betten sind aus Salz … ein unfassbarer Tag mit unglaublichen, einzigartigen Eindrücken!

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf und fahren mit dem Jeep durch erstaunliche Wüstenlandschaften, wo wir immer mal wieder Lamas, Alpakas und Vicunas sehen können. Der Weg führt uns zu mehreren Lagunen und, wir trauen unseren Augen kaum, in diesen leben Flamingos! Wie auch immer sich Flamingos unter diesen Bedingungen ansiedeln konnten, wir sind absolut begeistert von dem Bild, das sich uns bietet. Vor uns die Lagune, im Hintergrund Berge, und mittendrin diese rosa Vögel.

Am Nachmittag geht’s dann auf knapp 5.000 Meter hoch, es ist so windig, dass wir fast gar nicht das Auto verlassen können. Um uns herum zeigt sich eine wahnsinnige Berglandschaft, wir befinden uns an der Grenze zu Chile.

Wir besichtigen auch noch eine Art Stonehenge, riesige Steinformationen, mitten in der Wüste. Den Abend verbringen wir in einem Refugio – zu sechst in einem Zimmer, komplett ohne fließend Wasser und Strom gibt es auch nur sporadisch – aber dafür sind wir direkt an den heißen Quellen, in denen wir baden und währenddessen den unglaublich klaren Sternenhimmel betrachten. Von hier aus sieht man sogar die Milchstraße!

Am nächsten Morgen geht es wieder ziemlich früh weiter durch erstaunliche Wüstenlandschaften, in denen uns sogar ein paar Sträuße über den Weg laufen. Wir sehen beeindruckende Felsformationen und den Anaconda-Canyon. Was hier einfach so am Wegesrand liegt, wäre woanders mehr als ein Tagesausflug. Wir sind absolut begeistert von der Landschaft. Es war einfach unglaublich!

La Paz – 12.09.-15.09.2022

Am Nachmittag machen wir uns mit Diego auf den Weg von Uyuni nach La Paz, dem Regierungssitz Boliviens. Was eigentlich eine ca. 7-stündige Fahrt werden sollte, dauert dann doch ein bisschen länger. Wir haben auf der Strecke tatsächlich zwei Reifenpannen. Die erste händelt Diego super schnell und professionell dank Ersatzreifen auf dem Dach. Dummerweise haben wir bei der zweiten dann keinen Ersatzreifen mehr. Wir warten also am Straßenrand und spielen in der Wüste Karten, während Diego von irgendwo einen Ersatzreifen auftreibt. Glücklicherweise geht das ganz gut und auch relativ schnell, sodass es mit etwas Verzögerung weitergeht.

Am späten Abend erreichen wir dann endlich La Paz und freuen uns unglaublich über unser schickes Hostel, aber vor allem über die Möglichkeit, endlich wieder duschen zu können.

Die Tage in La Paz verbringen wir nach unseren vorangegangenen Abenteuern eher entspannt. Wir erkundigen die Stadt bei einer Free-Walking-Tour, wobei wir besonders gespannt auf das Gefängnis San Pedro sind. Das Gefängnis können wir zwar nur von außen sehen, Laura hat jedoch während der Reise das Buch Marching Powder von Rusty Young gelesen, das die Geschichte eines Insassen dieses außergewöhnlichen Gefängnisses erzählt. Das Gefängnis ist eine Stadt in der Stadt, die Gefangenen leben dort mit ihren Familien in Zellen, die sie sich selbst kaufen oder mieten müssen. Von der Sammelzelle bis zur 5 Sterne-Zelle gibt es dort die verschiedenste Unterkünfte. Bis vor kurzem war es auch möglich, das Gefängnis von innen zu besichtigen, mit von Insassen geführten Touren. Aufgrund verschiedener Zwischenfälle ist dies jetzt nicht mehr möglich, trotzdem ist es auch spannend von außen zu sehen, wie viele Leute, vor allem Kinder und Frauen, in das Gefängnis hinein wollen.

Fasziniert sind wir auch von der Gondel, die in La Paz den öffentlichen Verkehr bedient. Da die Stadt über eine Höhenlage zwischen 3.200m und 4.100m in El Alto verfügt, ist es am einfachsten, sich mit dieser modernen Gondel fortzubewegen, außerdem hat man eine atemberaubende Aussicht über die ganze Stadt.

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Michael Arns (@micha.arns)

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

Ein Beitrag geteilt von Michael Arns (@micha.arns)

Bolivien – unser Fazit

Bolivien ist ein Land, das wir beide total unterschätzt haben. Es ist unglaublich vielseitig und die Landschaft wahnsinnig beeindruckend. Die Straßen sind teilweise noch nicht so gut ausgebaut und man merkt während der Reise, dass sich Bolivien noch in der Entwicklung befindet, aber wir sind unglaublich dankbar, dass wir die Gelegenheit hatten, Bolivien zu besuchen. Insbesondere unser Trip nach Uyuni, aber auch die Minen Potosís haben uns nachhaltig beeindruckt. Bolivien ist touristisch noch nicht überlaufen und ein relativ günstiges Reiseland. Wir können Dir wirklich nur empfehlen, Bolivien einen Besuch abzustatten!