Einmal quer durch Kolumbien, bitte!
Kolumbien ist ein riesiges Land, dessen Dimensionen wir vorher ein bisschen unterschätzt haben. Unsere Reise führt uns (ungeplant) von der Grenzstadt Pasto über Cali mitten hinein in die wunderschöne Kaffeeregion Salento. Nach einem Stopp in der berühmt-berüchtigten Stadt Medellin geht es für uns an die Karibikküste in Cartagena, wo wir Weihnachten bei über 30 Grad verbringen. Unsere letzten Stopps sind der wunderschöne Strandort Palomino und die Regenwald-/Bergregion Minca.
Las Lajas (06.12)
Relativ ungeplant überqueren wir die Landesgrenze von Ecuador nach Kolumbien. Grundsätzlich haben wir die Erfahrung gemacht, dass Landesgrenzen viel entspannter sind als die Ankunft am Flughafen. Diese Erfahrung machen wir hier auch wieder, allerdings nur dank der Hilfe einer netten Kolumbianerin, die wir in Otavalo, Ecuador, getroffen haben. Sie hilft uns, das für die Einreise erforderliche Formular auszufüllen, das wir vorher gar nicht auf dem Schirm hatten und sorgt zusätzlich dafür, dass wir einen kurzen Stopp an der Felsenkirche Las Lajas einlegen.





Pasto und Cali (06. Dez – 09. Dez)
Von Las Lajas geht es weiter nach Pasto, wo wir allerdings nur eine Nacht verbringen wollen, um dann weiterzureisen. Der Süden Kolumbiens ist nicht touristisch und wir fühlen uns doch sehr beobachtet, als wir uns auf die Suche nach einem Abendessen machen. Am nächsten Morgen stellen wir dann auch mit Erstaunen fest, dass die Busverbindungen hier gar nicht so gut wie erwartet sind und die Reisedauer irgendwie viel länger ist, als wir dachten. Also werfen wir kurzerhand unseren eigentlichen Plan (Tatacoa-Wüste und Bogota, um danach nach Salento zu fahren) über Bord und fahren mit zwei deutschen Geschwistern, die wir am Busterminal kennenlernen, kurzerhand per Taxi nach Cali. Warum auch nicht?
Auch in Cali fühlen wir uns nicht so richtig sicher und wohl. Zwar ist es hier viel touristischer, aber wir haben auch häufig gehört, dass Cali relativ gefährlich sein soll. Auch unser Taxifahrer erzählt uns, dass er nachts nicht an roten Ampeln halte, weil er Angst habe, ausgeraubt zu werden. Wir bewegen uns daher nur sehr vorsichtig durch Cali, freuen uns aber dafür umso mehr, als wir einen Decathlon entdecken, der richtige Heimatgefühle weckt. Umso mehr freuen wir uns aber, als wir unsere Reise fortsetzen und Cali verlassen können.






Salento/Filandia (09. Dez – 15. Dez)
Dafür sind wir umso glücklicher, als wir bei unserem nächsten Ziel, einer Finca inmitten der Kaffeefelder Filandias, ankommen.
Bereits unsere Anreise ist spektakulär, denn erst geht es mit zwei verschiedenen Bussen nach Quimbaya, einer Kleinstadt inmitten der Kaffeeregion. Dort angekommen holt uns ein sogenannter „Willy“, ein roter Jeep, ab. Mit dem Willy geht es wortwörtlich über Stock und Stein, bis wir an unserem wunderschön gelegenen Hostel Tukawa ankommen. Die Umgebung ist malerisch, um uns herum nur saftiges Grün und so weit das Auge reicht, finden sich nur Kaffee- und Bananenplantagen. Dazukommt, dass wir direkt von den beiden hosteleigenen Hunden begrüßt werden. Die Hosteleigentümer sind drei nette Franzosen, die das Hostel pünktlich zu Pandemiebeginn eröffnet haben und daher tatsächlich erst vor ca. einem Jahr mit dem Tourismusbetrieb beginnen konnten. Die Unterkunft ist super familiär und wir lernen direkt alle Gäste kennen, essen gemeinsam Mittag, chillen am Pool oder feiern ausgelassen.
Zudem zeigt uns einer der Eigentümer im Rahmen einer Kaffeetour, wie Kaffee eigentlich hergestellt wird und wie sie schmerzlich lernen mussten, selbst Kaffee anzubauen. Eine der, wenn leider zwar nicht erstaunlichsten, aber dafür doch beeindruckendsten Erkenntnisse dabei ist, dass der qualitativ hochwertige Kaffee lediglich exportiert wird. Im Land selbst verbleiben nur die Kategorien 2 und 3. Außerdem erklärt er uns, wie eine biologische Kaffeeproduktion funktionieren kann und warum sie, obwohl sie auf Pestizide verzichten, es selbst noch nicht schaffen, rein biologischen Kaffee zu produzieren. Ansonsten lassen wir vor allem unsere Seele baumeln, gehen im Dschungel spazieren, schwimmen im Pool, genießen das leckere Essen und den guten Kaffee, bis wir nach zweimaliger Verlängerung unseres Aufenthalts letztlich einsehen müssen, dass es Zeit für die Weiterreise wird.












Medellin (15. Dez – 22. Dez)
Aus den Kaffeefeldern heraus geht es, relativ beschwerlich, zurück in die Zivilisation nach Medellin. Von Filandia aus nehmen wir den Bus, der eigentlich ca. 6 Stunden brauchen soll. Eigentlich. Auf der Strecke befinden sich mehrere Baustellen, was dazu führt, dass wir mehrmals ca. 1 Stunde einfach stehen und warten, wobei wir feststellen, dass uns ein wenig mehr südamerikanische Gelassenheit bestimmt ganz guttun würde. Wir entscheiden uns dennoch, obwohl wir bereits hinsichtlich des Zustandes der Straßen vorgewarnt wurden, ganz bewusst dafür, Bus zu fahren, statt zu fliegen. Während unserer Reise dringt immer mehr zu uns durch, wie viele kleine Entscheidungen und Schritte wir tagtäglich gehen können, um umweltbewusst(er) zu leben und zu handeln. Und eine der leichtesten, wenn auch manchmal unbequemsten Entscheidungen ist es definitiv, auf (unnötige) Flüge zu verzichten.
Wie wir versuchen, unseren ökologischen Fußabdruck während der Reise möglichst kleinzuhalten, kannst du bald in einem gesonderten Artikel lesen.
Nachdem wir nach ca. 10 Stunden holpriger Reise endlich in Medellín angekommen sind, gönnen wir uns nur noch ein leckeres Abendessen und freuen uns, ins Bett fallen zu können.
In Medellín nehmen wir an einer der dort bekanntesten Führungen teil, ein Rundgang durch die „Communa 13“. Neben Streetart und den modernen Rolltreppen, dank derer die hügeligen Teile der Kommune mit dem Zentrum Medellíns verbunden werden, gibt es hier unendlich viel über die Vergangenheit, die Gegenwart und die mögliche Zukunft Kolumbiens zu lernen. Unser Guide erzählt uns über die Militärmanöver, die vor ca. 20 Jahren den Alltag der Bewohner der Kommune geprägt haben. Kämpfe zwischen Paramilitärs und dem Militär waren für die Menschen an der Tagesordnung, wobei auch Zivilisten ums Leben kamen. Sogar der Vater unseres Guides wurde mehrfach angeschossen und konnte gerade noch gerettet werden. Er verließ daraufhin Medellín und lebt zwischenzeitlich auf dem Land. Wir erfahren von verschwundenen Menschen, deren Schicksal bis heute unbekannt ist, sehen in der Ferne einen Berg, wo zwischenzeitlich nach den Überresten verschwundener Personen gegraben wird und lernen, dass die Menschen in der Kommune auch heute noch „Schutzgeld“, abhängig von der Größe ihres Geschäftes, bezahlen müssen. Vor allem aber sehen wir die Entwicklung und die Hoffnung, die es in der „Communa 13“ gibt. Viele Jugendliche versuchen, Geld mit Tourismus oder Straßenkunst zu verdienen, statt wie andere, sich an Gangs und Drogenhandel zu beteiligen. Hier können wir sehen, wie der Tourismus tatsächlich einen positiven Effekt auf das Leben der Menschen haben kann.
Wir nehmen zudem an einer Stadtführung durch das Viertel „Buenos Aires“ teil. Zuerst fahren wir mit der Metro und dann mit der Gondel in einen bis vor kurzem noch sehr abgelegenen Teil der Stadt, der dank der modernen Verkehrsmittel nun erschlossen ist. Wir erleben ein modernes Viertel, wo Jugendliche kostenlos an Musik- und Sportprogrammen teilnehmen können, während dort vor 30 Jahren noch Drogengangs ihre Partys feierten und Jugendliche anwarben. Völlig erstaunt sind wir von dem modernen Verkehrssystem, das primär per App funktioniert (Grüße gehen raus an die Ersteller der KVB-App, hier ist noch Luft nach oben 😉 ) und freitags ein kostenloses Nutzen des öffentlichen Verkehrs ermöglicht. Zudem kann man sein Ticket quasi mit Plastik zahlen: Wer leere Plastikflaschen abgibt, bekommt Guthaben zur Nutzung des ÖPNV.
Auch wenn in Medellín sicher nicht alles perfekt läuft, sehen wir eine Stadt, die es geschafft hat, sich weg von Drogenhandel und Gewalt hin zu einer modernen Metropole zu entwickeln.
Außerhalb der Stadttouren haben wir uns noch ein 7-Gänge-Menü mit Weinbegleitung in einem der 50 besten Restaurants Lateinamerikas, dem Restaurant „Carmen“ gegönnt. Wir sind begeistert von dem Essen und der Menge Wein, die wir bekommen. Tatsächlich gibt es zu jedem Gang einen Wein, gekrönt vom Likör zum Dessert. In jeglicher Hinsicht voll beenden wir unseren Aufenthalt in Medellín ;).










Cartagena (22. Dez – 27. Dez.)
Schweren Herzens entscheiden wir uns, von Medellín unseren ersten Inlandsflug nach Cartagena zu nehmen. Die Alternative wären nur 24 Stunden Busfahrt gewesen, ohne dass es eine gute Möglichkeit für einen Zwischenstopp gibt. Dank unserer Erfahrung in Pasto sehen wir daher von der Busfahrt ab, kompensieren allerdings zumindest unseren Flug (wie wir Flüge kompensieren, könnt ihr bald in einem gesonderten Artikel nachlesen).
In Cartagena angekommen, werden wir erst einmal von den karibischen Temperaturen erschlagen. Nach Medellín, der Stadt des ewigen Frühlings, sind wir jetzt wohl in der Stadt des ewigen Hochsommers angekommen.
Cartagena ist ganz anders als alles, was wir bisher von Kolumbien gesehen haben. Die Stadt ist unglaublich voll, wir werden quasi alle fünf Minuten angesprochen, ob wir nicht irgendetwas kaufen wollen oder irgendeinen Trip machen wollen, uns ist es etwas zu wuselig.
Neben einer Stadttour, vorbei an den bunten Gebäuden und historischen Straßen, machen wir ein Inselhopping, das leider etwas mehr an eine Kaffeefahrt erinnert. Unser Highlight ist jedoch das leuchtende Plankton, das wir bei der abendlichen Bootsfahrt sehen und in dessen Mitte wir schwimmen. An Weihnachten kochen wir uns ein leckeres Curry und skypen mit unseren Familien, ein eher untypischer Feiertag bei 30 Grad im Schatten ;).









Palomino (27. Dez – 02. Jan. 2023)
Von Cartagena geht’s weiter an den schönen Strandort Palomino, wo wir unsere Tage vor allem mit langen Strandspaziergängen verbringen. Uns gefällt die Ruhe in dem Ort viel besser als die Hektik Cartagenas. Neben unserem direkt am Meer gelegenen Hostel entdecken wir ein vegetarisches Restaurant, das wir fast jeden Tag besuchen. Silvester verbringen wir das erste Mal in unserem Leben gemeinsam am Strand bei einem Feuerwerk.










Minca (02. Jan – 09. Jan)
Unser letzter richtiger Stopp in Kolumbien ist ein nahe Minca und mitten im Dschungel gelegenes Hostel. Um dorthin zu gelangen, müssen wir erst einen Bus, dann ein Taxi und letztlich ein Motorrad nehmen. Die Fahrt ist wirklich wild und wir sind froh, als wir nach der buckligen, ungeteerten Piste von den Rollern steigen können. In Minca wandern wir durch die wunderschöne Natur und sehen einige Wasserfälle, wobei wir während der Wanderung auch immer mal wieder durch welche hindurch waten müssen. Außerdem besuchen wir eine Kakaofarm, wo biologisch Kakao angepflanzt und Schokolade hergestellt wird. Wir schlemmen uns durch die verschiedenen Schokoladenarten und bekommen zu guter Letzt noch eine Schokoladengesichtsmaske, wonach es wieder durch den Fluss zurück zum Hostel geht. Ansonsten genießen wir die Poollandschaft (3 Pools!) und den wahnsinnigen Ausblick in diesem ruhigen Paradies.
Letztlich geht es von Minca nach Barranquilla, der Geburtsstätte Shakiras. Hier verbringen wir allerdings nur einen Abend, da es am nächsten Morgen nach Panama City geht.
















Fazit Kolumbien
Kolumbien ist unglaublich vielseitig und facettenreich. Riesige Städte, endlos erscheinender Dschungel und die Karibikküste machen Kolumbien zu einem tollen Reiseziel. Diese Vielseitigkeit ist uns aber auch hinsichtlich unseres Sicherheitsgefühls aufgefallen. Gerade in den Städten haben wir uns häufig etwas unsicher gefühlt und wurden von Guides immer wieder darauf aufmerksam gemacht, umsichtig zu sein oder wie die Kolumbianer sagen „don’t give papaya”. Das bedeutet, dass man möglichst keinen teuren Schmuck präsentieren, sein Handy nicht achtlos in der Hand tragen und grundsätzlich umsichtig sein sollte, wo und wann man draußen unterwegs ist. Besonders ist uns das in Cartagena aufgefallen, wo uns ein Mann die Straße entlang gefolgt ist, bis wir umgedreht und wieder rein ins Getümmel gegangen sind. Aber vielleicht wollte er auch nur nach dem Weg fragen … . Die Geschichten von (Raub-)Überfallen haben sich insbesondere in Kolumbien gehäuft. Obwohl uns nie etwas passiert ist, hatten wir häufig das unangenehme Gefühl, nicht ganz sicher zu sein.
Ganz anders dahingegen war es in den kleinen Orten oder auf dem Land. Hier haben wir uns immer sehr sicher und wohlgefühlt. Gerade dort sind die Menschen unglaublich freundlich, vor allem wenn man ein wenig Spanisch spricht.


