Naturparadies Ecuador
In Ecuador haben wir vergleichsweise wenige, dafür aber wunderschöne und beeindruckende Stopps. Von der gemütlichen und modernen Stadt Cuenca aus geht es zu unserem Highlight in Ecuador, den Galapagosinseln, weiter nach Quito und schließlich zu unserem letzten Stopp an die nahe der kolumbianischen Grenze gelegenen Kleinstadt Otavalo.
Cuenca 10.11. – 14. 11. 2022
Die ersten fünf Tage unserer Reise durch Ecuador verbringen wir in Cuenca, wobei wir direkt bei der Ankunft beeindruckt sind von dieser gemütlichen, modernen und vor allem sauberen auf 2.550 m gelegenen Stadt. Wir freuen uns richtig, in Ecuador angekommen zu sein, auch der Dollar als einzige Währung macht uns die Ankunft deutlich leichter, da wir das erste Mal in einem Land reisen, wo wir uns das Umrechnen quasi sparen können.
Während einer Stadttour erkunden wir die historische Innenstadt, wobei wir auch auf das Dach einer von einem Priester geplanten Kirche steigen. Wie sich später herausstellte, haben Priester zwar bestimmt viele Fähigkeiten, Architektur und Statik gehören aber wohl nicht dazu: Die Kirche konnte die geplanten Türme nicht vollständig tragen, weshalb ein riesiger Riss die Fassade prägt. Daher wurden letztlich auch nicht die geplanten Glocken eingebaut. Ansonsten gefällt uns die Innenstadt aber wirklich gut, insbesondere die modernen Parks mit unzähligen Sportmöglichkeiten begeistern uns. Dort finden wir sogar Recycling-Automaten für Plastikflaschen, das erste Mal auf unserer Reise.
Laura besucht auch das „Prohibido Centro Cultural”, ein außergewöhnliches Museum mit einer Vielzahl an obskuren und eher „dunklen“ Ausstellungsstücken. Während eines längeren Gesprächs mit einem der Künstler des Museums erklärt dieser, dass das Museum die sehr katholische Bevölkerung Cuencas ein wenig provozieren und die Kunstfreiheit ausreizen soll. Das Museum sollte bereits vier Mal geschlossen werden, zählt jedoch mittlerweile zu einer ein wenig skurrilen Touristen-Attraktion. Nicht einmal eine ältere Dame, die sich auf den Boden warf, betete und mit Weihwasser um sich spritzte, wie der Künstler erzählt, konnte eine endgültige Schließung bewirken.
Einen weiteren Tag erholen wir uns von den ganzen Reisestrapazen in Banos de Cuenca, den Thermen Cuencas. Hier reiben wir uns mit Schlamm ein, dem eine heilende Wirkung nachgesagt wird, und hüpfen vom Whirlpool ins Kältebecken. Auf der Weiterreise von Cuenca nach Guayaquil fahren wir durch den Nationalpark Cajas, dessen Besuch wir zeitlich leider nicht mehr geschafft haben, können so aber noch einen Blick auf die beeindruckende Landschaft und die zwischen 3152 m und 4445 m Höhe gelegenen Lagunen werfen.









Guayaquil 14/15.11.2022
Die günstigsten Flüge auf die Galapagosinseln starten in Guayaquil, der größten Stadt Ecuadors. In Cuenca haben wir allerdings erfahren, dass es dort zurzeit viele gewaltsame Auseinandersetzungen, Überfälle und sogar Schießereien gibt. Guayaquil ist mit seinem großen Hafen ein Umschlagplatz für Kokain, was zu Auseinandersetzungen rivalisierender Banden führt. Da sogar unser ecuadorianischer Guide aus Cuenca berichtet hat, innerhalb eines Monats viermal überfallen worden zu sein, verschanzen wir uns sicherheitshalber im Hotel. Davon gibt’s leider keine Bilder ;).
Galapagosinseln 15.11. – 25.11. 2022
Am nächsten Morgen geht es dafür aber in aller Frühe auf zum Flughafen, wo wir uns mit unheimlicher Vorfreude auf den Weg auf die Galapagosinseln machen!
Bereits bei der Ankunft auf der Insel Santa Cruz, der ersten der beiden Inseln, die wir besuchen werden, merken wir, dass wir uns in einem völlig anderen Südamerika befinden, als dem, das wir bisher bereist haben. Der Flughafen ist super sauber, wirbt damit, der erste klimaneutrale Flughafen überhaupt zu sein und wir dürfen keine Plastikflaschen mit aus dem Flugzeug nehmen, denn auf den Galapagosinseln soll Plastik angeblich vermieden werden.
Da wir unsern Trip komplett selbst organisiert haben und nicht an einer Kreuzfahrt teilnehmen, müssen wir erst einmal schauen, wie wir überhaupt vom Flughafen wegkommen. Aber erstmal dürfen wir 100 EUR Parkeintritt am Flughafen bezahlen, wofür wir aber einen Galapagos-Stempel in unseren Pass bekommen. Wahrscheinlich der bislang teuerste, dafür aber auch der schönste Stempel in unserem Reisepass.
Wir fahren zunächst fünf Minuten Fähre und können dabei bereits das unglaublich blaue und klare Wasser bewundern. Dann geht’s weiter für 45 Minuten mit dem Bus gefühlt über die ganze Insel, die teilweise einem Dschungel gleicht, nach Puerto Ayora, der Hauptstadt der Galapagosinseln. An der Bushaltestelle angekommen, kriegt sich Laura gar nicht mehr ein. Überall Seelöwen! Sie schlafen auf dem Bürgersteig, auf der Parkbank, am Pier und gehören wohl einfach zum Stadtbild dazu. Dazu sehen wir direkt zahlreiche Iguanas, Eidechsen, die wie Mini-Dinosaurier wirken und anscheinend auch schwimmen können. Ein außergewöhnlicher Anblick.
Die nächsten vier Tage verbringen wir damit, die relativ touristische, dafür aber gut ausgebaute Insel Santa Cruz zu erkunden. Wir begeben uns zu der Charles Darwin Research-Station, wo wir im Rahmen einer Führung die Aufzucht von riesigen Landschildkröten hautnah erleben können und einiges über die Galapagosinseln, deren Entdeckung und Besiedelung lernen. Das Research-Center hat sich der Rettung der auf den Galapagosinseln heimischen Landschildkröten verschrieben, die zu großen Teilen vom Aussterben bedroht waren, beispielsweise weil Schifffahrer sie als Nahrungsmittel für lange Strecken nutzten. Dank des Research-Centers konnten viele Arten vom Aussterben gerettet werden, auch wenn dies nicht bei allen gelang.
An einem anderen Tag gehen wir zur Tortuga-Bay, wo wir beim Kanufahren in der Bucht Haie, Rochen und Meeresschildkröten beobachten können. Nachdem wir sehen, wie groß die Haie sind, trauen wir uns dann doch nicht mehr wirklich zu schnorcheln, bekommen aber bereits von unserem Kanu atemberaubende Eindrücke. Außerdem sehen wir Blaufußtölpel bei der Jagd nach Fischen und riesige Pelikane.
Neben der Insel Santa Cruz besuchen wir auch die Insel Isabella. Zu dieser gelangen wir mit einer zweistündigen Schnellboot-Tour, nichts für schwache Mägen.
Auf Isabela angekommen, sind wir erst einmal relativ verdutzt, irgendwie hatten wir bei dieser Touristenattraktion mit mehr Infrastruktur gerechnet. Es gibt nur wenige asphaltierte Straßen, die Insel ist deutlich weniger entwickelt als Santa Cruz, was sich auch daran zeigt, dass es fast kein Internet gibt. Dafür ist die Natur hier noch deutlich ausgeprägter. An unserem ersten Tag besuchen wir eine kleine Bucht und bereits auf dem Weg dorthin sehen wir, dass wir hier nur Gäste sind, die Insel gehört eigentlich den Seerobben! Sie liegen überall auf dem Steg und so balancieren wir über Geländer, um sie nicht zu stören und uns an die Abstandsregeln zu halten. Vielleicht sollte auch den Seerobben gesagt werden, dass sie die Touris nicht berühren dürfen :D.
In der Bucht angekommen schnorcheln wir dann ein wenig und werden auch dort von neugierigen Seerobben begleitet, die sich ganz schön nah an die Menschen heranwagen. Manch einer wird sogar von einer jungen Seerobbenbande verfolgt. Vielleicht sind wir hier sogar die Attraktion?
Am nächsten Tag erkunden wir mit dem Fahrrad das Inland. Wir fahren durch einen Nationalpark und können am Wegesrand riesige Landschildkröten bestaunen und müssen manches Mal anhalten, damit vor uns eine Schildkröte im gemächlichen Tempo die Straße überqueren kann. Außerdem bestaunen wir die beeindruckende Vulkanlandschaft. Der Pfad führt uns allerdings auch zur „Wall of Tears“, einer von ecuadorianischen Gefangenen errichteten Mauer, die heute an die damaligen unmenschlichen Bedingungen der Gefangenen erinnern soll. Bei der Errichtung der Mauer sind tausende Gefangene ums Leben gekommen.
Unser Highlight der Insel Isabella wird die Tour „Los Tuneles“. Wir fahren mit dem Boot zu den beeindruckenden, von Lava geformten Tunneln und können bei der dortigen Schnorcheltour riesige Meeresschildkröten, Rochen, Haie, Seepferdchen und ganz viele Fische beobachten. Es lässt sich gar nicht in Worte fassen, wie beeindruckend es ist, für eine kurze Zeit Teil dieser unglaublichen Unterwasserlandschaft zu sein. Wir müssen fast aufpassen, dass wir nicht mit den Meeresschildkröten kollidieren, die sich einfach im Meer treiben lassen und die locker so groß sind wie Laura (nur wahrscheinlich etwas schwerer ;)).
Am nächsten Tag geht es dann wieder zurück nach Santa Cruz, wo wir uns freuen wieder eine Auswahl an Restaurants und Supermärkten zu haben. Wir kochen wieder selbst, um ein bisschen Geld zu sparen, da sich der Besuch der Galapagosinseln doch im Geldbeutel bemerkbar macht. Auf eigene Faust besuchen wir noch ein weiteres Schildkröten-Reservoir, wobei wir bereits auf der Bustour die Schildkröten am Wegesrand bemerken. Bei unserem Spaziergang zu der Ranch fallen kommen wir aus dem Staunen gar nicht mehr raus, als wir die Massen an Schildkröten um uns herum wahrnehmen. Diese liegen auf Weiden neben Kühen oder überqueren vor uns die Straße. Auf der Schildkröten-Ranch angelangt, erhalten wir eine kurzweilige Führung und haben das Gefühl, dass hier Menschen und Schildkröten recht friedlich nebeneinander existieren.
Die Galapagosinseln haben uns wahnsinnig gut gefallen, so nah waren wir noch nie an in Freiheit lebenden Tieren. Außerdem haben wir hier festgestellt, dass eine friedliche Koexistenz zwischen Menschen und Tieren möglich ist und wie gelebter Tierschutz aussehen kann. Eine unglaublich bereichernde und wunderschöne Erfahrung.


































Quito / Quilotoa 26.11 – 5.12.2022
Von den Galapagosinseln geht es zurück nach Guayaquil, wo wir wieder nur eine Nacht isoliert im Hotelzimmer verbringen. Am nächsten Morgen geht es dann recht früh mit dem Bus nach Quito.
In der Hauptstadt Quito verbringen wir eine Woche, in der wir einige Ausflüge machen. Wir besuchen die Mitte der Welt und machen am Äquator einige beeindruckende Experimente. Obwohl nur 5 Meter voneinander entfernt, stellen wir fest, dass sich das Wasser auf der Südhalbkugel in die andere Richtung dreht als auf der Nordhalbkugel. Auch hat der Äquator eine erstaunliche Auswirkung auf unseren Gleichgewichtssinn und unsere Kraft. Endlich mal ein Ort, an dem Physik auch Spaß machen kann. Irgendwie besser als die komischen Batterieexperimente in der Schule.
Eher zufällig besuchen wir den Hausvulkan Quitos, den Pichincha. Unsere Agentur hatte uns vergessen, sodass wir uns statt der geplanten Quilotoa-Tour spontan selbst einen Ausflug organisieren. Wir fahren mit dem Uber (Taxifahren gilt in Südamerika teilweise als gefährlich, aufgrund der Nachverfolgbarkeit ist Uber sicherer) zum Teleferico, einer Gondel, die uns auf den 4.784 m hohen Berg bringt. Oben sehen wir erstmal – nichts. Um uns herum ist undurchdringlicher Nebel, der sich im Laufe des Tages aber etwas lichtet. Außerdem ist es ganz schön kalt. Wir wandern über den Berg und können immer wieder beobachten, wie sich der Nebel wahnsinnig schnell lichtet, aber auch verschiebt. So haben wir im Laufe des Vormittags verschiedene, teils beeindruckende Ausblicke auf Quito und die umliegenden Vulkane wie den Cotopaxi. Da wandern auf dieser Höhe aber ganz schön anstrengend ist, begnügen wir uns damit, nicht den Gipfel zu besteigen, sondern es eher gemütlich anzugehen und ca. nach der Hälfte der Wanderroute den Rückweg anzutreten.
Im Rahmen einer Stadttour, die uns an den siete cruces (eine Straße mit sieben Kreuzen, die sieben verschiedene Kirchen markieren) vorbeiführt, erfahren wir einiges über die Geschichte Quitos und können auch ein paar typische kulinarische Erfahrungen sammeln. Insbesondere schmeckt uns das Käse-Feigen-Eis, das zwar erstmal komisch klingt, aber doch erstaunlich lecker ist.
Was uns aber auch in Quito – und das erste Mal bewusst in Südamerika beschleicht – ist ein Gefühl der Unsicherheit, in der Dunkelheit draußen unterwegs zu sein. Zwar haben wir das schon von Guayaquil gehört, weshalb wir einfach gar nicht draußen waren :D, aber in Quito war uns das so nicht bewusst. Während wir uns tagsüber recht sicher und wohlfühlen, versuchen wir es zu vermeiden, nach Einbruch der Dunkelheit länger draußen zu sein. Ein Gefühl, dass uns auch in Kolumbien noch mehrmals begegnen wird.














Quilotoa
Schließlich schaffen wir es doch noch zum Quilotoa, einem unter einer Lagune gelegenen Vulkan in der Nähe Quitos. Auf dem Weg dorthin besuchen wir eine indigene Familie, die uns zeigt, wie sie heute leben. Das Haus wimmelt von Meerschweinchen, diese sollen bestimmen können, ob die Gäste gutgesinnt sind. Falls sie zu laut quieken, sollte man den Gast lieber nicht ins Haus lassen.
Der Vulkan Quilotoa ist wortwörtlich atemberaubend. Auf 3.914 m gelegen, müssen wir erst einmal eine halbe Stunde in den Krater wandern, deutlich anstrengender fällt uns allerdings der Aufstieg, aber da haben wir ja seit dem Colca Canyon in Peru zum Glück ausreichend Erfahrung ;).
Die Lagune beeindruckt durch tiefgrünes Wasser, das die Farbe verschiedenen, dort vorhandenen Mineralien verdankt. Bevor uns der Aufstieg droht, überqueren wir den Krater mit einem Kanu, wie auch sonst sollte man sich auf einem Vulkan fortbewegen?










Otavalo 5/6. 12. 2022
Eher zufällig besuchen wir außerdem die Kleinstadt Otavalo, da diese auf dem Weg nach Kolumbien kurz vor der Grenze liegt. Wir hatten eigentlich gar keine Erwartungen an den Ort, sind jedoch beeindruckt von der Natur. Wir wandern zu einem Wasserfall und besuchen den nahegelegenen See. Für mehr bleibt leider keine Zeit, der Ausblick auf eine Vielzahl von Vulkanen auf dem Weg zur Grenze verspricht jedoch einiges.




Das war Ecuador für uns:
Ein Naturparadies! Nach dem eher kargen Norden entlang der Küste Perus haben wir uns sehr über die sattgrünen Landschaften Ecuadors gefreut. Vor allem die Galapagosinseln sind ein Natur- und Tierparadies. Wir haben allerdings auch das erste Mal in der Stadt mehrfach ein Angstgefühl gespürt, das oft mit der Erwähnung Südamerikas einhergeht. Auch wenn wir nie in einer Situation mit einem gefährlichen Ausgang waren, hatten wir gerade in Quito häufiger das Gefühl, dass wir uns besser ein wenig umschauen und gerade im Dunkeln vermeiden sollten, draußen unterwegs zu sein. Dies wurde uns auch von Einheimischen bestätigt, wir wurden beispielsweise auf der Straße freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass an der Stelle, an der wir auf unser Uber warten, „robas” („Räuber”) unterwegs seien und wir unser Mobiltelefon auf jeden Fall in der Tasche lassen und am besten direkt ein Taxi nehmen sollten, da uns zwei Männer, die uns auch schon aufgefallen waren, bereits ins Visier genommen hätten. Auch der eher nebenher gesagte Kommentar unseres Rezeptionisten in Otavalo, dass es dort sicher sei und man auch abends um 22 Uhr noch auf die Straße gehen könne – im Gegensatz zu Quito – bestätigte unser Gefühl und unsere Erfahrung.


